Info Messenien

Die Provinz Messenien
....ist ungefähr 80x80km gross und liegt im Süden des Peloponnes. 
Die ehemals venezianische Stadt Methoni (36°48´42´´N) liegt auf gleichem Breitengrad wie
westlich: Syrakus, Tunis, Malaga, Azoreninsel Santa Maria, Virginia, Las Vegas, Santa Cruz (CA)
östlich: Santorin, Amorgos, Kos, Marmaris, Antalya, Mosul (Iran), Kundus (Afghanistan), Südkorea, Tokyo

Seefahrer haben von Methoni aus folgende Strecken vor sich:
60km zum tiefsten Punkt des Mittelmeeres + zur Mani (Areopolis)
210km nach Kreta + nach Lefkas
430km nach Libyen + nach Apulien
560km nach Sizilien + nach Rhodos
950km nach Tunesien und nach Zypern
 

PILOS, METHONI, KORONI und KIPARISSIA, diese vier Burgstädtchen beschreiben die grüne Provinz Messenien mit ihrer Hauptstadt Kalamata. Unendliche, von hohen Zypressen durchsetzte Olivenhain-Landschaften und weite Strände, wildes Hochgebirge und sanfte wasserreiche Hügel sowie märchenhafte Inseln im Meer prägen das Bild dieser subtropischen Ecke Griechenlands.

Jedes seiner Städtchen hat seine eigene Burgfestung, jedes hat seinen ganz eigenen Charakter und Atmosphäre, keines gleicht dem anderen. Und dazwischen liegt, eingerahmt von bisher kaum besuchten Traumstränden, der Fischer- und Badeort FINIKOUNDA, der im Juli und August von den Athener Urlaubern aus seinem Dornröschenschlaf erweckt wird, da wird die Nacht zum Tag gemacht! Ursprüngliches Griechenland bieten gleich dahinter eine Vielzahl verträumter Dörfer, in denen Pauschaltourismus bis heute unbekannt blieb.

Die "Costa Navarino" erwartet Sie mit einem Feuerwerk an Traumstränden und weiteren Naturschönheiten:
Eine karibisch anmutende, kreisrunde Sandbucht liegt zu Füßen der Nestorhöhle mit der alten Festung von Pilos darüber, eine tierartenreiche Lagune als Naturschutzreservat lädt Sie zu Spaziergängen ein, oder Sie geniessen den Sonnenuntergang 500m senkrecht über dem Meer, am Picknickplatz der Gipfelkirche des Nikólaosberges.

Auch unbekannte Sehenswürdigkeiten Messeniens warten auf ihre Entdeckung: Versteckte Aquädukte, Wasserfälle, frühchristliche Höhlenkirchen..... und nicht zuletzt die Ausgrabungen des minoischen Nestorpalastes oder der antiken Stadt Messini, welche dem nur 120km entfernten Olympia bereits den Rang streitig macht!

Aber auch die Messenier haben ein Recht auf Entwicklung und europäischen Fortschritt:
2010 eröffnet bei Romanou (15km nördlich von Pilos) das "Navarino Dunes Resort" mit seinem "Bernhard-Langer-Golfplatz", seinen beiden 5-Sterne Hotelresorts mit insgesamt 766 Luxuszimmern, seinen Wasserparks, Geschäften, Restaurants sowie Wellness- und Meerwassertherapiezentrum. 2013 kommt das "Navarino Bay Resort", zwischen Pilos und Giálova gelegen, mit einem zweiten Golfplatz hinzu. (siehe Button "Golf Navarino")

Aktive fanden schon immer in Messenien gute Sportmöglichkeiten vor:
Surfen, Schwimmen, Angeln, Tauchen, Radfahren, Wandern und einen Bootsverleih in Finikounda und Pilos.
Ab 2010 und 2013 erweitert sich diese Angebotspalette beträchtlich: Golfen auf namhaften Plätzen, Wasser-Funsport, Tennis, Basketball, Beachvolleyball, Bogenschiessen etc in den Navarino Resorts.

Erreichen können Sie dieses "erwachende Paradies" in nur gut 3,5 Autostunden von Athen und in nur 40-50 Autominuten vom Flughafen Kalamata, der im Sommer - ebenso wie der Flughafen Patras/Araxos - mit Charterflugzeugen direkt angeflogen wird, ab 2010 auch von den Liniengesellschaften airberlin ab Nürnberg und aegean airlines ab Athen und Thessaloniki. Oder nach einer 1 1/2-tägigen Auto- und Schiffsfahrt mit einer der erholsamen Schnellfähren erreichen Sie über Ancona oder Venedig kommend bequem den Hafen von Patras.

Die 5 stärksten Argumente für Sie, Ihren "Traum im Süden" gerade hier wahr werden zu lassen:

Das Klima
Sie finden hier die klimatisch ausgeglichendste und mildeste Ecke des griechischen Festlandes vor. Die Winter sind ca. 5 Grad wärmer als in Athen, die Sommerhitze fällt gemässigter aus als in der Hauptstadt (ähnliche Temperaturwerte mit Tunis und Agadir).
(Aktuelle Temperatur in Methoni)
Die Erreichbarkeit
Die nahegelegenen Flughäfen Kalamata und Patras/Araxos erleichtern die direkte Anreise. Alternativ steht der Athener Flughafen und die neue Autobahn bis Tripolis, ab 2011 bis kurz vor Kalamata zur Verfügung. Die schnellen und komfortablen Hochgeschwindigkeits-Fähren Ancona/Venedig-Patras benötigen nur noch 1 Nacht. Von Patras fahren Sie in nur 1 ½ Stunden bis Kiparissia, und nur 1 Stunde länger bis Finikounda
Das Landschaftsbild
Trotz der sehr südlichen Lage erwartet Sie ein ganzjährig grünes Vegetationsbild mit unendlichen Olivenhainen und unentdeckten Tälern, die an Toskana-Landschaftsbilder mit ihren hohen Zypressen erinnern. Die Südküste bietet einen Meerblick auf eine märchenhafte Inselwelt, und die Westküste den Sonnenuntergang im Meer
Kein Pauschaltourismus
Pauschaltourismus beschränkt sich auf die "All-Inklusive-Resorts" nördlich von Pilos. Deshalb erleben Sie hier typisches Griechenland und zehn Monate im Jahr fast menschenleere Traumstrände, die zu den saubersten Europas und attraktivsten weltweit gehören.
Die Preise
Eine starke Wertsteigerung Ihrer Immobilie ist durch die expansive Marktsituation sowie durch angelaufende Infrastrukturmaßnahmen der griechischen Regierung für die Region Pilos gegeben. 

 

 

Provinz Messenien im Altertum

oder: was hat Messina mit Messenien tun?

Vortrag von Prof. Dr. Wolff Parmentier, Karlsruhe/Lachanada am 02.06.2006 in Finikounda, Taverne "To Kyma"

Die Veröffentlichung erfolgt auf dieser Homepage mit freundlicher Genehmigung des Verfassers

In Griechenland hat die europäische Geschichte ihren Anfang genom­men und  fast jeder Ort hat seine zweieinhalbtausendjährige Ge­schichte. Die Ge­gend um Methoni und Pylos hat sogar eine dreieinhalbtausendjährige Ge­schich­te. Und eine Kenntnis dieser Geschichte ist Voraussetzung dafür, daß man sich hier richtig zu Hause fühlt.

Diese westliche Halbinsel der Peloponnes heißt geographisch Messenien, ebenso im Altertum die Landschaft bis hinauf nach Kyparis­sia und hinüber nach Kalama­ta,  und  der moderne Regie­rungsbezirk (Nomós) Griechen­lands trägt den gleichen Namen. Zur Ver­wir­rung trägt heute wie schon im Altertum bei, daß es auch eine Stadt namens Messene gibt, die im Altertum am oder auf dem Berg Ithome lag, man nennt sie jetzt Alt-Messini, die heute aber 15 km weiter südlich neu erbaut worden  ist. So hieß angeblich die Tochter des Triopas, König von Argos, die ihren Gatten Po­lyka­on zur Eroberung dieses Landstrichs angestiftet hatte. Ihr Tempel stand später in Messene am Berg Ithome, wie Pausani­as berichtet. So die griechi­sche Überlie­fe­rung, die für alle Orte einen Gott, Heros oder sonstigen Na­mens­patron brauchte. Heute, wo man alles rational erklären möch­te, nimmt man dage­gen an, daß der Na­me von mesos = Mitte kommt, weil die Landschaft um den Pamisosfluß in der Mit­te zwischen Tayge­tos und Likodimos gelegen war1. Pylos und Methoni  wurden erst später zu Messe­nien gerechnet. Sie liegen ja auch abseits und jenseits der Berge, vom Pamisos aus gesehen.

 

Der antike griechischen Schrift­steller Pausanias hat um das Jahr 160 n.Chr. Grie­chen­land bereist und einen umfangreichen Reisebe­richt verfaßt, den ersten Grie­chen­land-Reiseführer,  der zur Unterrichtung der reichen Römer bestimmt war, wel­che damals Griechenland zur Vervollständi­gung ihrer Bildung gerne besuchten. Seine 10 Bücher der sogenann­ten Periegese stellen für die Archäologen die wich­tig­ste Quelle dar, wenn es um die Benennung der zahlreichen antiken Ruinenstätten in Hellas geht, deren Namen uns sonst meist unbe­kannt geblieben wä­ren. Er hat auch Messenien ausführlich besucht und im vierten Buch seiner Periegese be­schrie­ben. Von ihm wissen wir z.B., daß dort, wo jetzt (Finikous) Finikounta liegt, damals ein Ort namens Phinikous, also das Phönizische, lag, und auf die­sen anti­ken Namen haben die mo­der­nen Bewohner zurück­gegrif­fen, als es darum ging, der in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhun­derts am Meer heranwach­senden Sied­lung einen Namen zu geben. Die Straße, die von der Kirche bis zur Pizzeria Me­du­sa zieht, trägt den Namen dieses Pausanias des Periegeten, wenn er auch nir­gends angeschrieben steht. Man hat das einfach zu wissen!

 

Wenn wir heutzutage durch Messenien fahren, so fällt uns sofort auf, daß im Ge­gen­satz zur übrigen Peloponnes Ruinen oder sonstige Überreste aus der klassi­schen Antike, worunter man die Zeit zwi­schen etwa 550 und 400 v.Chr. versteht, voll­stän­dig fehlen. Dem­ge­gen­über sind die Überreste aus der mykeni­schen Epoche et­wa zwischen dem 16. und 12. Jhdt. v. Chr. besonders zahlreich. Dazu gehören nicht nur der be­rühm­te Pa­last des Nestor bei Chora, sondern auch die vielen Kup­pel­gräber, die bedeu­tends­ten nörd­lich von Kyparissia in Peristeria, die dem Vater des Nestor Neleus zuge­schrie­ben werden, seit neu­estem auch ein weiterer Palast bei Iklaina, wo eine Gruppe amerikani­scher Ar­chä­ologen gerade mit Ausgrabungen auf Grund von Satellitenaufnahmen begon­nen hat.

Geringe Funde aus der mykenischen Epoche sind auch in Finikounta auf dem Kirch­hügel beim Restaurant Elena gemacht worden. Wir kennen sogar den Namen, den diese mykenische Ansiedlung um 1200 v. Chr. getra­gen hat. Er taucht mehr­fach auf den mykenischen Linear B-Schrifttäfelchen auf, die im Nestor-Palast  auf­gefunden wurden. Er lautete KA_RA_DO_RO, d.h. die 2 Schluchten, und kommt mit Si­cherheit von den Abgründen, welche von den Höhen zum Meer hinab führen.

 

Damals in mykenischer Zeit war Messenien ein kulturelles und politisches Zentrum Griechenlands. Messenien ist wasserreich und ungemein fruchtbar und war deshalb in der  my­kenischen  Zeit 1600 – 1200 v. Chr. dicht besiedelt. Dies erkennen wir heute noch an den zahl­rei­chen mykenischen Kuppel- oder Tholos-Gräbern, auf wel­che uns die braunen Hinweis­schil­der an allen Straßen auf­merk­sam machen, auch an den Palästen aus dem mykenischen Zeit, vor allem dem des Nestor bei Pylos. Die sogenannte Linear-B-Schrift, in der in mykeni­scher Zeit die Auf­zeich­nungen in den Archiven der mykenischen Paläste verfaßt wurden, konnte von dem englischen Ar­chi­tekten Michael Ventris im Jahre 1952 erst entziffert werden, nach­dem im Nes­tor-Palast über 1000 dieser Schrifttäfelchen entdeckt worden waren. Und auf die­sen Täfelchen ist uns die Geograp­hie von Messenien ausführlich mit vielen Orts­namen überliefert, darunter auch Pylos und Kyparissia.

Schon in Homers Ilias wird Messenien erwähnt. Damals etwa 1200 v.Chr. gehörte es zum Reich des Me­ne­laus, König von Sparta, dessen Frau, die schöne Helena, mit dem Trojaner­prin­zen Paris durchgegangen war und damit den Anlaß zum Tro­ja­nischen Krieg ge­ge­ben hatte. Als Agamemnon im Verlauf der Belagerung Trojas versuchte, den zürnenden Achill zum Weiter­kämp­fen zu bewegen, bot er ihm als Geschenk 7 Städte an, die alle hier in Mes­senien gelegen waren, darunter Karda­myle, Pherai (Kalamata) und Pedasos (Methoni).

Einen Einblick in das Leben dieser Zeit gibt uns Homer im dritten Buch seiner Odyssee mit der berühm­ten Schil­derung des Besuches des Telemach, des Sohnes von Odysseus, bei König Nestor in Pylos, wo dieser Telemach von Nestors Tochter Polykaste in genau der Badewanne abgeschrubbt wurde, die wir heute im Palast noch bewundern können. Allerdings bezweifeln viele, daß es sich dabei wirklich um den Palast des homerischen Nestor handelt, denn was Homer über die geograp­hische Lage dieses Palastes erzählt paßt ganz und gar nicht auf die Ruinen bei Chora (siehe nachstehender zweiter Vortrag).

 

Die mykenische Geschichte Griechenlands und damit auch Messeniens endete mit der Zerstörung der Paläste von Pylos, Mykene, Tiryns und an anderen Orten etwa um 1200 v. Chr. Wir wissen nicht, welche Völker­schaf­ten es waren, die diese Kul­tur zerstörten. Sie haben nichts hinterlassen außer den Ruinen der zerstörten Paläs­te. Sie blieben auch nicht hier um zu siedeln, sondern zogen weiter und wurden erst in Ägyp­ten vom Pharao endgültig besiegt. Man hat keinerlei Überreste von ihnen hier gefunden. Jedenfalls war Messenien in der Folgezeit, die als das dunkle Zeitalter der griechischen Geschichte bezeichnet wird, nur noch dünn besie­delt. Die Kunst des Schreibens geriet in Vergessenheit, bauliche Über­reste oder reich ausgestattete Gräber sind nicht mehr gefunden worden.

 

Warum hat nun Messenien in der klassischen Epoche nicht wie die anderen grie­chischen Landschaften an seine ruhmreiche mykenische Vergangenheit ange­knüpft, sondern ist kulturell praktisch in Vergessenheit geraten?

Das erklärt sich durch seine Nachbarschaft zu Sparta.

Das war keineswegs eine freund­schaft­liche Nachbarschaft, sondern im wesentli­chen ein Kampf der kriegerischen Spartaner um die Un­terwer­fung  Messeniens, des­sen fruchtbares Land und seine Bewohner als sogenannte Heloten dazu her­hal­ten mußten, den militaristischen Staat der Spartaner zu ernähren.  Da Sparta selbst -trotz beachtlicher Anfänge im 8. Jhdt. v.Chr.- in der klassischen Zeit kul­turell von keiner großen Bedeutung mehr war, konnte auch sein Umland und damit auch Mes­senien  nichts bei­tra­gen, als die griechische Kultur ihren Auf­schwung nahm.

 

Die alten Schriftsteller, vor allem Pausanias, aber auch vor ihm schon Ephoros, Tyrtaios, Kallisthenes, Apollodor, Diodor und Myron, berichten uns von drei mes­seni­schen Kriegen, in welchen Sparta Messenien zuerst unterwarf und in der Fol­ge­zeit meh­rere Befrei­ungsversu­che vereitelte. Der erste dieser Kriege da­tiert um 740 v. Chr., der zweite um 650 v. Chr. und der dritte in den Jahren um 464 v. Chr.. Wahrscheinlich haben aber Apollodor und Strabo5 recht, daß es vier messe­ni­sche Kriege gab, nämlich einen weiteren um 500  v.Chr.

 

Die Eroberung Messeniens durch die Spartaner begann etwa um 740 v. Chr.  Man schließt das aus den erhalten gebliebenen Siegerlisten von Olympia, weil darin letztmals um 736 v. Chr. ein messenischer Name auftaucht. Dieser erste erbitterte Kampf  um Messenien, später als der erste messenische Krieg bezeichnet, soll 20 Jahre gedauert haben, bis die Messenier schließlich ihre Festung auf dem Berg Ithome räumen und sich den Spartanern ergeben mussten. In der Folgezeit ist ein großer Teil des messenischen Adels ausge­wan­dert, und zwar nach Süd­italien, wo um 720 v.Chr. die Stadt Rhegium, das heutige Reggio Calabria, unter maßgeblicher messenischer Beteiligung gegründet wurde. Die restliche Be­völ­ke­rung, die an Ort und Stelle blieb, wurde abhängig von Sparta und mußte die Hälfte ihrer Ernte dort­hin abliefern, wenn sie auch noch nicht zu Heloten geworden waren.

 

Unsere Gegend hier, das heißt Methoni und Pylos, gehörten damals noch nicht zu Messenien und waren dementsprechend auch nicht von den Spartanern unterworfen worden. Dies erfolgte erst im sog. 2. Messenischen Krieg.

 

Mitte des 7. Jahrhunderts brach ein Aufstand der Messenier aus, der nach der anti­ken Überlieferung von deren Held Aristomenes angeführt wurde; nach ihm ist die Hauptstraße des heutigen Kalamata benannt. Nähere Ein­zel­heiten über diesen 2. Messenischen Krieg sind aber in der Wissenschaft sehr streitig, auch die Person des Aristomenes und ihre genaue Datierung. Berühmt ist die Geschichte, wie die Spartaner im Entscheidungskampf gegen die Aufständi­schen ihre Truppen vor einem großen Graben aufstellten,damit diese nicht nach rückwärts fliehen konnten. Jedenfalls sind in diesem Krieg erstmals die Bewohner von Methoni und Pylos als Bundesgenossen auf Seiten der Messenier erwähnt, und sie mußten nach dem Sieg der Spartaner zum Teil ihr Land verlassen und sind nach Südita­lien geflohen. Man bringt sie dort mit der Gründung der Stadt Metapont in Verbin­dung.  Erst seit die­ser Zeit wird die Gegend von Pylos und Methoni allge­mein zur Landschaft Messe­nien gezählt.

Die Verbleibenden wurden zu Heloten der Spartaner und trugen  auf die­se Weise dazu bei, daß die Spartaner ihren martialischen Staat unterhalten konn­ten, in wel­chem die einheimische Bevölkerung sich nur dem Sport und dem Krieg widmete, wäh­rend die Bevölkerung der Umgebung für die Lebensmittel sor­gen musste, wohl auch für die berühmt-berüchtigte Blutsuppe bei den Syssitien, den gemeinsamen Mahlzeiten, die einen griechischen Besucher damals zu der Feststellung veran­lassten, jetzt wisse er, weshalb die Spartaner so tapfer kämpften und gerne in den Tod gingen.

 

Ein weiterer Aufstand der Messenier gegen Sparta wird auf die Zeit um 500 v.Chr. datiert. Und zwar erschließt man das aus den Umständen der berühmten Schlacht von Marathon zwischen Athenern und Persern im Jahre 490 v.Chr. Da­mals hatten die Athener die Spartaner zu Hilfe gerufen, indem sie einen Läufer namens Pheid­hi­ppides dorthin schickten, der die Strecke von immerhin 240 km in 2 Tagen zu­rück­legte. (Dieser Lauf wird heute wieder regelmäßig von denjenigen ausgetra­gen, denen ein Marathonlauf viel zu kurz ist.) Dieser Name wird heute oft irrigerweise als derjeni­ge des ers­ten Marathonläufers genannt; dessen Name wird aber von Herodot nicht überlie­fert. Manche sagen, das müsse derselbe Pheidippides gewesen sein, der schon kurz zuvor nach Sparta geschickt worden war. Belegt ist das nicht, und es wäre auch nicht einzusehen, weshalb Pheidhippides gesund und munter einen Lauf nach Sparta und zurück über fast 500 km überstehen konnte, dann aber von den lächerli­chen 39 km6 von Marathon nach Athen zu Tode er­schöpft hätte sein können.

 

Nach der offiziellen Lesart des Herodot hätten die Spartaner dem Boten erklärt, daß sie aus religiösen Gründen erst bei Vollmond aufbrechen dürften, und so seien sie erst kurz nach geschlagener Schlacht zu spät in Marathon eingetroffen. Manche Historiker wollen aber aus verschiedenen Quellen, vor allem aus Plato, erschlies­sen, daß in Wirklichkeit ein gerade stattfindender Aufstand der Messenier die Spar­taner abgehalten habe, sofort aufzubrechen. Das erscheint das aber ein bißchen unwahrscheinlich, denn warum sollte dieser Aufstand der Messenier ge­ra­de in den paar wenigen Tagen beendet worden sein, um die sich die Spartaner bei Marathon verspäteten?

Für einen messenischen Aufstand um 500 v.Chr. spricht aber weiter folgendes: Der Zeitpunkt der Eroberung der sizilischen Stadt Zankle durch die Griechen steht mit 490 v.Chr. einigermaßen sicher fest. Da hieran Einwohner Messeniens so wesent­lich beteiligt wa­ren, daß kurz danach diese Stadt sogar in Messina umgetauft wur­de, muß der sog. Dritte messenische Krieg zu diesem Zeitpunkt bereits mit einer Niederlage der Messenier und ihrer erneuten Vertreibung beendet gewesen sein. Auch in die Zeit dieses Krieges könnte Aristomenes datiert werden.

 

Im Sommer des Jahres 464 v. Chr. gab es in Sparta ein verheerendes Erdbeben. Dadurch wurde ein beträchtlicher Teil der wehrfähigen Bevölkerung hinweggerafft, und die unterdrückten Messenier benutzten die Gelegenheit, sich wieder mal gegen die Spartaner zu erheben. Es kam zu einem weiteren mes­senischen Krieg, der aber wieder mit einer Niederlage der Messenier endete. Nach vier Jahren Belagerung auf dem Ithomeberg mussten sie sich auf freien Abzug ergeben und wurden von den damals mit Sparta verbündeten Athenern in Naupaktos angesiedelt.

Die Abhängigkeit Messeniens von Sparta endete erst im Jahre 369 v. Chr. mit dem endgülti­gen Sieg des Epaminondas über die Spartaner bei Leuktra. Epaminondas war der the­ba­nische Feldherr, der mit der Erfindung der sog. „schiefen Schlacht­ord­nung“ das Mittel gefunden  hatte, die militärische Überlegenheit Spartas zu beenden. Sparta verlor seine beherrschende Stellung auf der Peloponnes. Im Ge­fol­ge dieses Sieges wurden von Epaminondas die drei großen befestigten Städte Messene, Mega­lo­po­lis und Mantineia gegründet, um die Spartaner für immer in Schach zu halten. In Alt-Messini, wo gegenwärtig große Ausgrabungen stattfinden, können wir heute noch die beeindruckende Stadt­mau­er und die riesige Agora be­sichtigen. Damals lebten immerhin 30.000 Einwohner dort.

Die Rolle Spartas in Messenien und überhaupt im antiken Griechenland war damit ein für allemal beendet.

 

Seit der Schlacht bei Leuktra fand Messenien den Anschluß an die allgemeine grie­chische hellenis­ti­sche Entwicklung.

Um Christi Geburt bezeichnete Strabo Messenien als größten­teils verödetes Land.

Später dann im Mittelalter seit den Kreuzzügen stieg Messenien wieder zu einiger Bedeu­tung auf, als die Kreuzritter nach der Eroberung Konstantinopels das griechi­sche Gebiet und die Inseln unter sich aufteilten und ihre Fürstentümer gründeten, wovon z.B. die Burg oberhalb Mistra bei Sparta zeugt, vor allem aber weil die Ve­ne­zi­aner hier die großen Bur­gen Pylos, Methoni und Koroni bauten, um den See­weg nach dem Nahen Osten zu sichern, die später dann von den Türken über­nom­men wurden. 



1             Kiechle, S. 53 FN 4

2              Kouvelas, Giorgos: Finikounta, Istoria kai Zoi, Kalamata 1997

3             Chadwick, Die mykenische Welt, 1973

4              Strabo Geographica 337 ff.

5              Geographica 362

6              Die Entfernung Marathon – Athen beträgt keine 42, 195 km; erst seit den Olympischen Spielen 1912 in London geht der Marthonlauf über diese Distanz

7             Geographica 362

8          Literatur:

            Kiechle, Franz, Messenische Studien: Untersuchungen zur Geschichte der Messenischen Kriege und der Auswanderung der Messenier, Lassleben 1959, auch Diss. Erlangen 1957

 

 

 

 

Wo wohnte König Nestor?

Vortrag von Prof. Dr. Wolff Parmentier, Karlsruhe/Lachanada am 02.06.2009 in Finikounda, Taverne "To Kyma"

Die Veröffentlichung erfolgt auf dieser Homepage mit freundlicher Genehmigung des Verfassers

Wenn wir von Pylos nach Chora fahren, finden wir dicht bei der Straße auf der Gemarkung Ano Englianos die berühm­ten Ruinen des mykenischen Palastes von König Nestor, die größte archä­o­lo­gische Sehenswürdig­keit in Messenien. Dieser Palast war unter allen mykenischen Palästen auf der Pelopon­nes damals zwar nicht der größte, wohl aber der am präch­tigs­ten ausgestattete und  der am wenigsten befestigte. Keine Kyklopenmauern wie in Mykene oder Tiryns waren nötig, man fühlte sich nicht bedroht. Die Archäologen sagen uns, daß dieser Pa­last wie auch die anderen auf der Pelo­pon­nes um 1200 v.Chr. zerstört wurde, wir wissen nicht von wem.

Von seiner Entdeckung an wurde dieser Palast dem aus Homers Ilias und Odyssee bekannten König Nestor zugeschrieben.

Wer war dieser König Nestor, lebte er tatsächlich, wann und wo, und woher wissen wir, dass es sich gerade um seinen Palast handelte, der dort in den Jahren 1939 bis 1956 von dem amerikansichen Archäologen Carl Blegen ausgegraben wurde?

 

Literarische und archäologische Quellen der späten Bronzezeit auf der Peloponnes

Von etwa 2500 – 1200 v.Chr. dauerte die Bronzezeit in Griechenland. Irgendwann um 2000 v.Chr. sind wohl die späteren Griechen von Norden her zugewandert bis herunter nach Lakonien und Messenien.

Von der ausgehenden Bronzezeit  um 1200 v. Chr. haben wir interessanter Weise für die Pelopon­nes ei­ner­seits aus­führ­liche literarische Quellen, nämlich die Schilderung in den beiden großen Epen Homers, Ilias und Odyssee, anderer­seits reichhaltige archäologische Fun­de vor al­lem hier in Messe­nien.

Seit Heinrich Schlie­mann mit seinen Ausgrabungen in Troja und My­kene, Orchomenos und Tiryns die griechische Bronzezeit archäologisch erschlossen hat, sind viele Bemühungen unternommen wor­den, die home­rischen Epen und die Ruinen zusammen zu bringen, also die Erzäh­lungen Homers zu lokali­sie­ren,  wo genau die Schauplätze der geschilderten großarrtigen Aben­teuer und Hel­denta­ten gewesen sein könn­ten. Noch schöner wäre es natürlich, gewissermaßen ein Traum der Archäo­lo­gen, den die Leser der beiden Epen gerne mit träumen, wenn man auch die in den Epen genannten Helden aus den ar­chä­o­logischen Quellen nament­lich bestätigen könnte. So weit ist man aber noch nicht.

Es ist trotzdem interessant zu beobachten, wie die fortschreitenden archäologischen Ausgrabungen immer weitere Einzelhei­ten der Epen bestätigen, ohne daß allerdings eine vollständige Überein­stimmung erzielt würde.

So sind z.B. viele Götter- und Personennamen aus den Epen auf den Linear-B-Täfelchen aufge­taucht, die im Nestor-Palast und in Knossos aufgefunden wurden, so Poseidon und Athena, und man mußte sich daran gewöhnen, daß z.B. der Gott des Weines Dionysos kein spät in den Olymp aufgenommener Gott war, wie man früher annahm,  sondern schon damals dazu gehörte. Allerdings fehlt unter den gefundenen Namen bis heute ein Nestor ebenso wie ein Agamem­non oder Odys­seus.

 

Neuestes Bei­spiel für diese fortdauerende Suche nach archäologischen Beweisen für die home­ri­schen Epen ist die Grabungskampagne, die der kürzlich verstorbene Professor Korfmann aus Tübin­gen seit 1988 in der Troas durchführte. Als Schliemann im Jahre 1876 an den Dardanellen bei Hi­s­sar­lik die Überreste einer Burganlage aus der Zeit zwischen 2500  v. Chr. und der Römerzeit ge­fun­den hatte und sofort mit dem home­ri­schen Troja gleichsetzte, war das gewichtigste Argument seiner Gegner, diese Über­res­te seien zu klein, um als  das von Homer als gewaltige Feste geschil­derte Troja  gelten.zu kön­nen. Das hat­te auch Schliemann selbst zu Denken gegeben. Er hat sich damit beholfen, dass eben Homer in dich­terischer Freiheit die Größe der Stadt übertrie­ben habe, um die Bedeutung des trojanischen Krie­ges hervorzuheben. Für Korfmann und Latacz steht jetzt aber auf Grund geomagnetischer Untersuchungen fest, dass Troja vor der Burg in der Ebene eine Unter­stadt aufwies, die fast zehnmal so groß war wie die Burganlage, so daß es tatsächlich eine große Handels­metropole am Bosporus gewesen sein müsse. Ob es sich hierbei aber wirk­lich um eine Stadt­anlage handelt und nicht nur um landwirtschaftlich genutzte Flächen wie Bauern­höfe ist für  andere Archä­ologen noch lange nicht erwiesen. Denn zu wenig ist bisher dort aus­gegraben, als daß man Gewiß­heit haben könnte, und das Gefundene ist wider­sprüchlich.

Der Streit um Homer kann also weiter­ge­hen. Er hat schon im klassischen Altertum be­gonnen, als sich sieben Städte, darunter auch unser Pylos, darum stritten, welches der Geburtsort Homers gewe­sen sei:

Έπτα πόλεις  μαρνάντο σαφήν δία ρίζαν Ομήρου

Σμύρνα Χίος Κολωφών Ιθάκη Πύλος Άργος Αθήναι

(7 Städte stritten um die wahre Herkunft Homers,

Smyrna Chios Kolophon Ithaka Pylos Argos Athen)

Auch die Person Homers selbst ist ja umstritten, ob es ihn überhaupt gab, ob es nicht zwei Dichter ge­we­sen sind, die diese beiden Epen verfasst haben, oder ob nicht einer nur die mündlichen Über­lie­ferungen zusammengefasst hat, ohne selbst dichterisch etwas beizutragen. Das ist aber ein The­ma für sich. Fest steht jedenfalls, daß beide Epen zwischen 750 und 700 v. Chr. niedergeschrieben wor­den sind und einen Anfang aller europäischen Literatur darstellen, wie er großartiger nicht sein könn­te. Fest steht auch, daß darin eine Zeit geschildert wird, die damals schon viele Jahrhunderte ver­gan­gen war.

In neuester Zeit hat ein gewisser Raoul Schrott den Versuch unternommen, Homer als westanato­lischen Schreiber an die Südküste der heutigen Türkei zu verpflanzen, der nicht viel mehr getan habe, als hethitische und sumerische Sagen abzuschreiben, angefangen vom Gilgamesch-Epos. Darüber wird z.Z. lebhaft gestritten. Warnen muß ich aber vor der Lektüre seiner Homer-Überset­zungen:  Wieso es nötig sein soll, den heutigen Vulgärstil mancher Schriftsteller auf die beiden Epen zu übertragen, leuchtet mir nicht ein. Die Sprache beider Epen war schon im Altertum eine gehobene, volksfremde Kunstsprache, die gerade deshalb ihren Siegeszug durch Alterum, Mittel­alter und Neuzeit antreten konnte. Die Leute, die Schrott mit seinem Stil ansprechen will, interes­sieren sich nicht für Homer. Das ist wirklich nur Schrott!

 

Versuche zur Lokalisierung der homerischen Epen

Vor allem hinsichtlich der Irrfahrten des Odysseus gibt es Hunderte von Versuchen, die Orte zu fin­den, wo der einäugige Kyklop seine Höhle hatte, - man sagte in Westsizilien-, wo das Lotophagen­land war – man sagte auf der Insel Djerba-, oder wo Skylla und Cha­ryb­dis die Seefahrer bedrohten – man sagte in der Straße von Messina-, wo die Zauberin Kirke den Odys­seus gefangen hielt und seine Ge­fähr­ten in Schweine verwandelte (wozu nach Ansicht mancher Feministinnen gar keine Verwandlung nötig gewesen sei) – man sagte bei Kap Circeo in Mittelitalien. Bis  heute hat sich hier keine einheitliche Meinung ergeben. Die meisten sind der Ansicht, die schon im Altertum ge­äußert wurde, man könne die von Homer geschilderten Ört­lichkei­ten ebenso wenig lokalisieren wie man den Schuster finden könne, der die Lederschläu­che produ­ziert hat, in welchen der Gott der Winde Aiolos die günstigen Win­de für die Heimfahrt eingesperrt hatte, die von Odys­seus Gefährten zur Unzeit geöffnet wurden und das Boot kurz vor Ithaka wieder zurück war­fen.

Nicht so problematisch ist es mit den Örtlichkeiten, die in der  Ilias genannt werden. Während in der Odyssee der Dichter seine Zuhörer vielleicht bewusst ins Märchenland führen wollte,  damals begann ja die griechische Kolonisation im Schwarzen Meer und in Süditalien, musste er bei sei­nen Schilderungen des bronzezeitlichen Griechenlands darauf Rücksicht nehmen, dass seine Zuhö­rer mit der Geographie ihres Heimatlandes bestens vertraut waren. Wir nehmen ja an, daß Homer ein fahrender Sänger war, der um 750 v.Chr. an den Höfen der griechischen Fürsten seine Dichtungen vortrug, und zwar auswen­dig, so wie er es selbst von dem Sänger Demodokos erzählt, den Odysseus am Hofe des Phäaken­kö­nigs Alki­no­os antraf. Weil er diesen Demodokos als blind schildert, nimmt man an, auch Homer selbst sei blind ge­we­sen. Wo er dann allerdings seine zahlreichen eindrucksv­ollen Na­tur­schil­de­run­gen her­nahm, bleibt dabei ungeklärt. Deshalb retten manche diese Annahme vom blin­den Sänger Homer damit, daß er erst im Alter blind geworden sei. Man muß sich eben zu helfen wissen.

Diesen griechischen Zuhörern durfte  Homer im Hinblick auf Griechenland geographisch nichts  vormachen. Er musste im Gegenteil darauf achten, dass die Genauigkeit seiner geographischen Schil­derungen die Überzeugung der Zuhörer von der Wahrheit der Erzählung stützte.

 

Was erzählt uns nun Homer über Nestor, und was es erzählt er uns über den Palast von Pylos?

 

Zur Person Nestors

König Nestor, Sohn des Neleus,  war einer der bedeutendsten Helden, die mit Agamemnon in den trojanischen Krieg zogen.

Homer nennt ihn den „gerenischen[1] Rossebändiger aus dem sandigen Pylos“ und schildert ihn als rüstigen Greis von etwa 70 Jahren, drei Generationen hat er erlebt, der aber noch tatkräftig am Kriegs­ge­schehen teilnimmt, selbst gegen Hektor, den größten Helden der Tro­ja­ner  tritt er an, wenigstens wenn Diomedes an seiner Seite war, der vor allem jedoch die Achaier durch seine Rat­schläge in der Hee­resversammlung mannigfach unterstützt, mit großer Beredsam­keit,  die an Redse­ligkeit grenzt, und sehr darauf bedacht, seine Heldentaten aus der Jugend­zeit her­auszustel­len. Seitdem nennt man überall das älteste Mitglied einer Versammlung mit der größten Erfahrung „Nestor“.

Mit den Kentauren, den Pferd­menschen, will er noch gekämpft haben, Herakles selbst habe seine Brü­der erschlagen, und sein Beitrag zur griechischen Flotte gegen Troja beläuft sich auf stolze 90 Schiffe, das zweitgrößte Kon­tin­gent hinter Agamemnon mit seinen Mykenern. Vor allem dieser Um­stand zeigt uns die große Bedeutung, die Pylos in der mykenischen Zeit gehabt haben muß und die auch durch die reichen  archäologischen Funde aus der Bronzezeit  hier in Messenien, vor allem aber durch den Palast bei Chora bestätigt wird. Messenien hatte zu dieser Zeit eine herausragende Stellung auf der Peloponnes und in Griechenland, die es später nie wieder erreicht hat.

 

Die Lage des Palastes

Die Lage des Palastes von König  Nestor war schon im Altertum umstritten. Dabei ist zu beachten, dass die heute freigelegten Ruinen bei Chora schon damals nicht mehr sichtbar waren, der Streit also nur an Hand der Literaturfundstellen ausgetragen werden konnte. Insoweit sind wir heute bes­ser dran, seit der amerikanische Archäologe Blegen zwischen 1939 und 1956 die Reste dieses Pa­lastes freigelegt hat. Zuvor waren von Dörpfeldt kümmerliche Reste eines mykenischen Palastes bei Kakóvatos in Triphylien ausgegraben worden, die dieser in Übereinstimmung mit dem antiken Geo­graphen Strabo für den Nestorpalast hielt. Heute müssen sich die Literaturstellen aus dem Altertum an den Ruinen von Chora messen lassen.

Homer macht einigermaßen genaue Angaben zur Lage des Palastes. Im Dritten Buch der Odyssee schildert er, wie Telemach, der Sohn des Odysseus, in einer einzigen Nachtfahrt mit dem Boot von Ithaka nach Pylos gekommen sei. Ein andermal erzählt er, wie Neleus, der Vater von Nestor, in der Ge­gend von Olympia Rinder gestohlen hatte und diese in einem Tag bis zu seinem Palast treiben konn­te. Beides vereinbart sich nicht mit der Lage des Palastes an der Bucht von Navarino. Die da­maligen Schiffe konnten nicht in derart kurzer Zeit diese Strecke zurücklegen, und eine Rinderherde von Olympia in einer Nacht bis nach Navarino zu treiben ist auch unmöglich, wie wir selbst be­stä­tigen können.

Andererseits schildert Homer aber auch den Weg, den Telemach auf der Heimfahrt von Pylos  nach Ithaka mit dem Schiff  zurücklegt, und dabei nennt er durchaus Städte und Flüsse, die zwischen Na­va­rino und Kyparissia lagen. Die Alten pflegten bei solchen Wider­sprüchen im Epos sprich­wörtlich zu sagen, „hic dormivit Homerus - hier schlief Homer“. Das hilft uns aber nicht weiter.

 

Der sog. Schiffskatalog der Ilias  und die mykenische Geographie

Im sog. „Schiffs­katalog“ im 2. Buch der Ilias, wo die Herkunft der griechischen Kontingente auf­ge­zählt wird, die sich zur Heer­fahrt nach Troja in der Bucht von Aulis gegenüber der Insel Euböa versam­melt hatten, werden aus dem Reich Nestors nur solche Städte auf­gezählt, die sich von der Bucht von Navarino nördlich bis nach Triphylien, also um Kyparissia, befin­den. Die Gegend hier unten um Methoni fehlt völ­lig. Dies deutet darauf hin, daß zumindest zur Zeit Homers im 8. Jhdt. das Reich Nestors weiter im Norden gesehen wurde.

Danach könnte also der Palast weiter nördlich gelegen haben. Auch die immer wieder­keh­rende Nen­nung des „san­di­gen“ Pylos als epitheton ornans passt nicht so sehr auf den Palast bei Cho­ra,  sondern eher auf die langen Sandstrände bei Kakovatos.

Da aber aus den  Linear-B-Täfelchen aus dem Nestor­palast eindeutig hervor­geht, daß dessen Herr­schaftsgebiet sich von Kyparissia bis Finikounta und bis hinüber nach Kalamata erstreckte, sehen manche darin eine Be­stäti­gung da­für, daß der Schiffskatalog nicht schon aus der Zeit des troja­ni­schen Kriegs stammt, sondern eine spätere Einfügung aus der Zeit um 750 v. Chr. darstellt, und zwar vom Dichter eingefügt, um den jeweiligen griechischen Zuhörern an den Fürstenhöfen im 8. Jhdt. zu schmeicheln, daß auch ihre Stadt schon im troja­nischen Krieg mitge­kämpft habe.

Zur Zeit ist Fakt, daß der eindrucksvollste bronzezeitliche Palast in der westlichen Pelopon­nes eben hier bei Ano Engli­anos gefunden wurde, dass er  nach den dort gefundenen Schrifttafeln bei Pylos (Pu_ro in den Täfelchen) lag und daß das Reich des Nestor nach Homers Schilderung das zweit­größte der damaligen Zeit auf der Peloponnes  war.  Daß gerade dort auch noch die  Bade­wan­ne gefunden wur­de, wie  sie  auch in der Schilderung Homers  vorkommt, worin die Tochter des Nestor, Poly­kas­te, den Telemach abschrubbte, ist eine merkwürdige Koinzidenz.

Solange auf der westlichen Peloponnes kein anderer, ähnlich prächtiger Palast gefunden wird, kön­nen wir ohne weiteres davon ausgehen, dass der bei Chora aufgefundene Palast derjenige ist, auf den sich die Schilderung Homers bezieht. Vielleicht auch deshalb, weil die ganze Odyssee nur eine Dichtung ist und der Dichter bei der Schilderung des Palastes seines Nestors den schönen Palast in Ano Englianos vor Augen hatte. Wir sind also gewissermaßen Untertanen von König Nestor.



[1]    Wohl weil er bei den Gereniern aufgewachsen war, nach anderen weil er der altehrwürdige Kriegsteilnehmer war.