Krise war schon immer

GRIECHEN, STAAT UND EU oder: Krise war schon immer!

Was Sie jetzt lesen, ist in der EU angeblich unbekannt, weil die Politiker die bezahlten Interessen verschiedener Lobbies vertreten: Griechenland wurde in den 70iger Jahren als Schwellenland geführt. Schon auf Grund seines politischen Selbstverständnisses ist es volkswirtschaftlich ein Faß ohne Boden. Eine überraschend starke Kaufkraft liegt schon seit Drachmenzeiten beim Volk, alle griechischen Politiker zusammen könnten heute aus privater Tasche den Staat vor der Pleite bewahren. Die geschichtlich stark orientalisch geprägte Mentalität des Volkes (siehe oben) führte zu einem Spagat mit der Regierung, der 2010/2011 seinen bisherigen Höhepunkt erreichte: Der Staat wird wie früher als unfähiger Feind, als künstliches Gebilde betrachtet, dem zu mißtrauen ist und das es auszunützen gilt. Eine funktionierende Verwaltung existiert vom Altertum bis heute nicht. Die 1500 Regierungsbeamten stehen jeweils zwei sich abwechselnden Politikerdynastien nahe. Das Volk regiert sich auch im neuen Hellas erfolgreich selbst mit Günstlingswirtschaft und Geldzuwendungen unter optimaler Mißachtung der inkompetenten Staatsführung. Wer soll solche alten Strukturen kurzfristig aufbrechen? Wie und warum sollte das jahrtausendealte Generationenerbe des natürlich fehlenden Respektes gegenüber staatlicher Obrigkeit innerhalb 30 Jahren der „Obrigkeit EU“ zuliebe verschwinden? Brüssel hat die Geschichte und Mentalität seiner „Weichwährungsländer“ schlichtweg mißachtet und hat nur deren Zahlen unkontrolliert bewertet: ein verhängnisvoller Fehler der EU! Es war seit Jahren klar, dass Griechenland Hilfszahlungen trotz Dementi abrufen wird, das gebietet schon die orientalische „Kaufmannsethik“. Die EU spricht im April 2010 von einem Finanzbedarf von 45Mrd €uro, in Griechenland und bei der deutschen Bundesbank wußten alle von 90Mio €uro. Um Euroabsturz, Währungsreform und eine neue Finanzkrise zu vermeiden, wurden letztlich 110Mrd Hilfszahlungen geleistet, in 2011 wurden weitere 65Mrd angefragt.. Die EU hat sehr wohl gesehen, dass Prostitution, Waffen- und Drogenhandel 2004 als Aktiva des Staatshaushaltes aufgeführt wurden, und hat weggeschaut. Denn Deutschland und Frankreich verdienen seit Jahrzehnten Milliarden an Athener Aufträgen aus Technik und vor allem Rüstung. Diese Länder machen auch verbotenen Profit, wenn es für 5%-9% Zinsen Milliarden zur Verfügung stellt, dasselbe Geld aber für 3,2% oder weniger besorgt. Exportland Deutschland profitiert zudem von einem schwächelnden Euro. Auch Deutschland hat eine EU-Rüge wegen falscher Zahlen durch „vergessene Rentenrückstellungen“ erhalten. Und da wären noch die Investoren in USA und Singapur, die bereits Milliarden auf den Bankrott einzelner Länder gesetzt haben. In Griechenland ist enorm viel Geld da, aber als private Kaufkraft, die stärker ist als in vielen nordeuropäischen Ländern. Dieses Geld des griechischen Bürgers findet weiterhin Verwendung für belegarme Geschäfte, für Autos, Villen, Yachten, Shoppingtouren in Europas Städten und „Fakelakia“(Umschläglein), die allenthalben benötigt werden. Man braucht eben Geld für den selbstfunktionierenden Parallelstaat im Staat. Deshalb misstraut jeder erst mal jedem, und am meisten dem Staat. Fast alle Kinder werden nachmittags zum Privatunterricht geschickt, staatliche Schulen taugen nicht. Wer als Kunde Quittungen verlangt, erhält beim nächsten Mal keine Leistung mehr, oder muss bestenfalls 23% mehr bezahlen. Brüssel, Hollande und Merkel schlafen nicht, sie spielen das Spiel mit. Und die Presse verkauft diese Geschichten häppchenweise zur Steigerung der Auflagenzahlen. Das Volk zumindest glaubt sie, wenn es die Griechen als Übeltäter abstrafen will. Die Show geht täglich weiter: der EU-Wirtschaftskommissar lobt griechische Sparmaßnahmen, die sinnlos sind:
* Gehaltskürzungen bei den sowieso schlecht bezahlten Beamten > sie gehen sowieso noch einer weiteren belegfreien Tätigkeiten nach (nur 1% der Beamten sind Demonstranten, und diese 10.000 rückt die EU-Presse gross ins Bild) * Benzinpreiserhöhung > die Griechen fahren weniger, der Benzinumsatz brach dramatisch ein. Das Dieselfahrverbot für Athen wird im Gegenzug aufgehoben, Dieselfahrzeuge wie LKW, Baummaschinen, Traktoren und einige Kfz laufen mit billigerem Heizöl * Tabaksteuererhöhung > Verbraucher greifen auf landeseigene Billigmarken zurück * Einkommensteuerberechnung nach objektiver Einschätzung für Juristen, Ingenieure, Ärzte, Freiberufler: wer will schon Steuern auf in Wirklichkeit nie erzielte Gewinne bezahlen? > im Ausland gelten diese Zahlungsverweigerer als Steuerflüchtige.

Die Folge: weniger statt mehr Steuereinnahmen. Der Staat kriegt die griechischen Lebenskünstler und Improvisatoren nie… Das Spiel läuft schon seit 30 Jahren. Die EU weiss das. Gewohnheitsrecht für alle. Es wäre an der Zeit, der EU das Mißtrauen auszusprechen.

Wenn sich Europa weiterhin als weltweit erfolgreichster Exporteur von Demokratie und Menschenrechten versteht und einen Rückfall des Kontinents in alte Unsitten verhindern will – dann muss Europa einen wirtschaftlichen und politischen Mechanismus entwickeln, damit sein Nord-Süd-Gegensatz nicht zur Bruchlinie wird. Deshalb wird die EU seine „PIGS-Staaten“ nicht fallen lassen. Austritte wären der Bankrott der EU. Da spielt es keine große Rolle, dass Griechenland gerade mal 2% der europäischen Gesamtwirtschaft bestreitet – das entspricht der Wirtschaftkraft des deutschen Saarlandes- , aber deutsche Firmen in 2008 immerhin Lieferungen im Wert von 4,9 Mrd €uro nach Griechenland durchführten (Statistisches Bundesamt 9/2009), stolze 14% seiner Rüstungsgüter in das kleine Griechenland liefert, welche mit frischem EU-Geld bezahlt werden! Wieso fordert die Troika überall Einsparungen, außer kurioserweise bei Militärausgaben? Dafür hat Griechenland eine größere und modernere Panzerflotte als Deutschland, auf jeden Einwohner kommen 14 Soldaten, beim Erzfeind Türkei nur 7, in Deutschland nur 4 ….. 

Das wird Energie, Geld und politisches Kapital kosten. Wie sagte der ehemalige deutsche Aussenminister Guido Westerwelle sinngemäß:
„Umsonst gibt’s nur die spätrömische Dekadenz. Die kostete Rom sein Imperium und stürzte den Kontinent in ein dunkles Zeitalter, das tausend Jahre währte.“

Einer der letzten großen, deutschen Politiker mit Charisma verstand dies am 22.05.2011 im griechischen Fernsehkanal NET viel besser auszudrücken: „Ein wesentlicher Grundsatz der Europäischen Union ist die Solidarität unter den Mitgliedern. Berlin wird Griechenland in einer Weise unterstützen, der die Allgemeinheit zustimmt, denn ein Europa ohne Griechenland wäre wie ein Körper ohne Gliedmaßen.“ Er charakterisierte es als „verfehlte Politik, die die grundlegenden Regeln und Bedingungen der EU ignoriert, wenn einige Stimmen in seiner Partei sogar den Ausschluß Griechenlands aus Europa forderten.“  Er erinnerte an den Grundsatz der Solidarität in der EU, „denn einmal befindet sich der eine, ein andermal ein anderer in einer schwierigen Situation. Es ist eine Selbstverständlichkeit der europäischen Idee, dass Große die Kleinen als gleichwertig akzeptieren. Die Völker Europas sollten sich einander in Würde respektieren.“ Wahrlich bedeutende Worte von Hans-Dietrich Genscher, einem großen Staatsmann der Bundesrepublik Deutschland und der Einheit Europas.


Diese Worte stehen im Einklang mit seiner offiziellen Erklärung als Außenminister vor 30 Jahren am 01.01.1981 zum Beitritt Griechenlands: „Der Beitritt Griechenlands wird für alle Beteiligten nicht nur Vorteile, sondern auch Belastungen mit sich bringen. Griechenland wird sich in den kommenden Jahren im Rahmen der vereinbarten Übergangsregeln in die Gemeinschaft zu integrieren haben. Die harmonische Eingliederung in die Gemeinschaft erfordert einerseits Verständnis der Gemeinschaft für die Probleme Griechenlands, andererseits entsprechende Eigenanstrengungen Griechenlands sowie den festen Willen zu Partnerschaft und Ausgleich. Dies gilt nicht nur für die EG, sondern auch für die Europäische Politische Zusammenarbeit.“  Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland vom 06.01.1981, Nr. 2,  S. 13

Also alles altbekannt! Jeder Tourist weniger und jeder stornierte Immobilienkauf schmälert heute diese Solidarität und verstärkt nur die Staatsprobleme. Im fünften Krisenjahr sind die Preise für ein Haus auf dem Peloponnes günstig wie seit der Euroeinführung vor 14 Jahren nicht mehr, deshalb kaufen JETZT die Profis, wie sie das auch in der Basse der Börse tun!  Siehe die Zeitschrift CAPITAL 10/2011. Die griechischen Immobilienpreise sanken laut Wall Street Journal vom September 2011 bis 2013 um 40%. Die breite Käuferschicht kommt wieder, wenn die Nachfrage und damit die Preise steigen. Die Stabilisierung ist 2014 bereits eingetreten, aber auf die Drachmeneinführung warten diese Käufer umsonst. Den Grexit schließt die EU laut ihrem Präsidenten Jean Claude Juncker aus (siehe WELT AM SONNTAG vom 08.03.2015).

Der deutsche Altkanzler Helmut Schmidt im Oktober 2011: Er fordert Unternehmensinvestitionen der anderen Staaten in Griechenland nach dem Vorbild der alliierten Wirtschaftshilfen für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Vergleich zu damaligen Lage sei „das gegenwärtige Problem ein minores – und der Teufel soll die europäischen Regierungschefs holen, wenn sie es nicht fertigbrächten, Griechenland zu retten!“, sagte er.

Da diese Forderungen in Europa nicht gehört wurden, hat das griechische Volk im Januar 2015 die Wende der Krise, die Änderung im Land selbst gewählt.

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