Politik, Wirtschaft und Geschichte

GRIECHISCHE WAHRHEIT (c) Thomas Ertl

Erleben Sie Einblicke in ein l(i)ebenswertes, orientalisiertes Land, um die Berichte der europäischen Presse über Griechenland aus einem anderem Blickwinkel betrachten zu können, denn in Griechenland spiegelt sich lediglich die Krise Europas.

Dazu lesen Sie sich bitte die griechische lebendige Geschichte in nur 4 Minuten:

Das LAND Griechenland als Staat mit eigener Hauptstadt und zentraler Regierung gibt es erst seit dem 03.Februar 1830, also seit 185 Jahren, aber der Reihe nach:

Ab 1400 VOR Chr. verschwinden im Alten Ägypten seltsamerweise alle Darstellungen der kretischen Minoer. Eines der beiden befreundeten Völker war untergegangen! Eine Kriminalgeschichte. Vielleicht hat die Vulkanexplosion von Santorin später ihr übriges dazugetan, aber die Täter sollten eines Tages auftauchen, und es kam auch so:
Ein reicher deutscher Hobby-Archäologe namens Heinrich Schliemann grub 1876 nach den Überresten der alten Griechen, indem er schlichtweg dem 2800 Jahre alten Dichter Homer glaubte. Er suchte und fand mit dessen Heldenepen in der Hand (Ilias und Odyssee) den Fürstensitz Mykene mit seinen 4m bis 6m dicken Mauern. „Als er die Gräber öffnete, trat eine Märchenwelt in Gold zutage, halb Knossos kam nach oben. Die Täter waren gefunden: es waren die GRIECHEN! Hier tauchen sie das erste Mal in der Weltgeschichte auf“ (Fernau). Mit einer grossen Völkerwanderung im zweiten vorchristlichen Jahrtausend waren sie von der Donau und Weichsel eingewandert, unterwarfen die Urbevölkerung und zerstörten das reiche Kreta bis auf die Grundmauern. Griechenland war geboren, aber nicht als Land, denn es waren verschiedene Stämme: die Dorer und Achaier auf dem Peloponnes, die Ionier in Attika, die Äoler in Mittelgriechenland. Es dauerte Jahrhunderte, in denen die Bronze durch Eisen ersetzt wurde, bis die noch heute verwendete griechische Schrift entwickelt, erstes Geld geprägt und die ersten Gesetze geschrieben wurden. Aber die Griechen schufen die erste europäische Hochkultur: Sie erfanden und praktzierten die Demokratie, die Philosophie, die Naturwissenschaften, die Geschichtsschreibung und die Literatur. Diese Geisteswissenschaften sind die Fundamente, auf denen noch heute die gesamte „westliche“ Kultur steht. Das Land bestand in der klassischen Zeit (480-333 v.Chr.) aus konkurrierenden Stadtstaaten wechselnder Stärke, wobei Athen einen Führungsanspruch ausübte. Die Griechen hatten koloniale Großstädte wie Syrakus (1 Mio Einwohner) und hunderte weiterer Kolonien in Sizilien, Spanien und Nordafrika (Magna Graeca), schlugen sich untereinander oftmals die Köpfe ein, aber sie hielten gegen äußere Feinde wie die Perser zusammen und vernichteten diese endgültig trotz militärischer Unterlegenheit 480 v.Chr. auf eigenem Boden. Griechenland trat nicht heimlich von der Weltbühne ab, sondern mit einem Paukenschlag, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte: Alexander der Grosse! Erst sicherte er die Grenzen Griechenlands an der Donau, dann vereinte er alle griechischen Stadtstaaten, indem sie freiwillig mitmachten oder sie völlig vernichtete wie Theben, und dann begann er seinen berühmten Perserfeldzug 334 v.Chr.. Nach 3 gewonnenen Schlachten (47.000 Griechen gegen 140.000 Perser) lag ihm die Welt zu Füßen, alle Städte und Staaten ergaben sich, wohin er auch kam, von Ägypten bis Afghanistan! Griechenland war für wenige Jahre ein Weltreich von Indien bis Gibraltar. Am Indus drehte der Gottkönig um, erkrankte aber in Babylon und verstarb mit hohem Fieber am 13.Juni 323 v.Chr., ohne sein Erbe geregelt zu haben. Griechenland verblasste und wurde 146 v. Chr. römische Provinz. Es begannen somit 1976 Jahre Fremdherrschaft: Die Römer übernahmen das kulturelle Erbe der Griechen. Danach regierte Byzanz (= Ost-Rom), desweiteren in chaotischem Wechsel die Franken (Kreuzritter) und einzelne byzantinische Despoten, Genuesen, Venezianer und zuletzt 400 Jahre lang die Osmanen. Die griechischen Befreiungskriege Anfang des 19.Jhd. wurden von Europas Grossmächten aus politischem Kalkül gegen die Türken unterstützt. Deutsche und englische Philhellenen entdeckten die Antike wieder. Die griechische Schrift, Sprache und damit auch der Nationalstolz haben 1500 Jahre Slawisierung (Mittelalter) und Osmanisierung (Neuzeit) überlebt, obwohl das Volk unverkennbar die Musik und damit das Gemüt, die Gefühlswelt und Mentalität der arabisch geprägten Osmanen übernommen hat: ein Betrogener ist eben nur der schlechtere Geschäftsmann. Erst nach der entscheidenden Seeschlacht von Navarino (bei Pylos auf dem Peloponnes) wurde Griechenland erstmals ein geeinigtes, zentral regiertes Land mit Nauplia (griech. „Nafplio“) als erster Hauptstadt und mit dem von den euopäischen Siegermächten im Londoner Protokoll 1830 ausgerufenen bayerischen König Otto, einem Sohn König Ludwigs I, der letztlich wegen Unfähigkeit abgesetzt wurde. Athen war damals eine zerstörte Provinzstadt mit kaum 8000 Einwohnern. Erst nach und nach wurde das griechische Territorium jeweils nach den Weltkriegen auf die heutige Größe gebracht. Es erreichte seine heutige Ausdehnung erst 1947, also vor 63 Jahren! Athen wurde im 19.Jhd als neue Hauptstadt von Münchner Baumeistern gestaltet (von Klenze, von Gärtner). 1920 zählte das Gebiet des heutigen Groß-Athen etwa 453.000 Einwohner. Ein ungeregelter Wachstumsschub nach dem verlorenen Türkenkrieg und durch Landflucht 1950-1960 ließ den Grossraum Athen auf heute 4,5 Mio Einwohner anwachsen. Nicht nur die beiden Weltkriege, sondern der Türkische Krieg 1920/21, der Bürgerkrieg 1944-1949, Unruhen in den 60iger Jahren und die Militärdidaktur 1967-1974 ließen das Land nicht zur Ruhe kommen. Mit dem NATO-Beitritt 1952 sicherte sich Griechenland auf Grund seiner geopolitisch bedeutenden Lage seine wirtschaftliche Position innerhalb Europas. Mit dem EU-Beitritt 1981 gelang der Republik HELLAS ein erster europapolitischer und wirtschaftlicher Schachzug mit dem „placet“ der EU und aller seiner Mitgliedsstaaten. Der zweite folgte 2001 mit der Einführung des Euro nach Anpassung der Haushaltszahlen an die Beitrittskriterien Brüssels. Der Druck jedes Euroscheins zeugt deshalb von der „Wiege der europäischen Kultur“ und seiner eigenen, mittlerweile 3600 Jahre alten Schrift, in der auch die Erstausgabe des meistgelesenen Buches der Welt, der Bibel, erfolgte: ΕΥΡΩ (gesprochen „Ewró“) unterhalb des lateinischen EURO. Die Abschaffung des Euro würde deshalb nicht nur eine Absage Europas an seine eigenen kulturelle Herkunft bedeuten, sondern auch das Einverständnis zur Zuwendung Griechenlands an das wirtschaftlich expansive China und den großen Religionsbruder Russland, der seit 800 Jahren bisher vergeblich versuchte, seinen Fuß ans Mittelmeer zu setzen. Der Grexit würde auch den Startschuss des Endes der Gemeinschaftswährung bedeuten. Deshalb hat der Präsident der Europäischen Kommission, Jean Claude Juncker, am 08.03.2015 der WELT AM SONNTAG klar gesagt: „Die Europäische Kommission vertritt die Auffassung: Es wird niemals einen Grexit geben. Niemand unter den politisch Verantwortlichen in Europa arbeitet an einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Das Land ist und bleibt Mitglied der Währungsunion. Ein Austritt Griechenlands würde zu einem irreparablen Reputationsverlust der gesamten Europäischen Union in der Welt führen.“ Das kleine Griechenland befindet sich deshalb in einer Schlüsselposition Europas, welche neben dem drohenden Milliardenverlust Europas den Joker des neu gewählten Ministerpräsidenten Alexis Tsipras im wirtschaftlichen Verhandlungspoker mit Europa ausmacht. Das Land kämpft nach fast 2000 Jahren Fremdherrschaft immer noch für seine Selbstbestimmung.

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